A.C.T.S.

American Contra and
Traditional Square Dance
in Berlin

Dancers

Contra Dance - eine Sammlung von Erklärungsversuchen

1. Die einzig wahre Erklärung
Die einzig wahre Antwort auf die Frage "Was ist Contra Dance?" kommt von allein, wenn Du es ausprobierst.

2. Ein ernsthafter Versuch
Ein Tanzleiter - hier prompter genannt - , führt gleichermaßen neue und erfahrene Tänzer durch eine Vielfalt von Tänzen. Dabei wird er von einer Gruppe von Musikern - live oder von Schallplatte - unterstützt.

Ein Tänzer und sein oder ihr Partner tanzen eine Reihe von Figuren oder Bewegungen miteinander und für kurze Zeit mit einem anderen Paar. Dann wiederholen sie die gleichen Figuren mit einem anderen Paar und so weiter. Die Figuren sind ähnlich denen des traditionellen Square Dance. Sie werden für jeden Tanz auf verschiedene Art und in anderer Reihenfolge kombiniert.

Der prompter erklärt jeden Tanz, bevor er zur Musik getanzt wird. Damit hat jeder Tänzer eine Vorstellung dessen, was ihn während des Tanzes erwartet, und die Figuren können leicht getanzt werden. Der prompter führt den Tanz, indem er passend zur Musik Hinweise zur Figurenfolge gibt. Das versetzt die Tänzer in die Lage, den Tanz spontan mitzutanzen, ohne ihn auswendig lernen zu müssen. Im Laufe des Tanzes lernen die Tänzer die Figurenfolge, und der prompter kann weniger Hinweise geben, bis die Tänzer schließlich den Tanz allein weitertanzen und nun die Bewegung zur Musik vollends genießen können.

Leute jeden Alters und jeder Lebensart sind willkommen, natürlich auch Kinder. Contra Dance ist ein Platz, an dem Menschen verschiedenster Herkunft zusammenkommen, miteinander tanzen und sich unterhalten. Oft wird vor oder während des Tanzes ein gemeinsames Essen arrangiert, oder man geht danach in ein Restaurant, je nach Lust und Laune.
Kinder, die in Erwachsenengruppen mittanzen, sollten nicht jünger als zwölf Jahre sein.

Zum Contra Dance kommt man allein, als Paar oder in der Gruppe. Getanzt wird mit einem Partner, aber der muss nicht zu jedem Tanz der gleiche sein. Schließlich leben wir am Beginn des dritten Jahrtausends und es ist selbstverständlich, dass Frauen gleichermaßen wie Männer zum Tanz auffordern. Es kommt durchaus vor, insbesondere bei einem Ungleichgewicht der Geschlechter, dass Frauen mit Frauen oder - seltener - Männer mit Männern tanzen.

Eine spezielle Tanzkleidung ist zum Contra Dance nicht erforderlich, aber für's Auge hat es schon etwas, wenn das Outfit ein wenig country like ist. An die Schuhe werden besondere Anforderungen gestellt: sie sollen eine weiche Sohle haben, die keine Streifen auf dem Boden hinterlassen. Es gibt Tanzschuhe mit einer weichen Ledersohle, die sind sehr geeignet aber recht teuer. Für den Anfang reichen ein Paar 'Turnschläppchen'.


Contra Dance in Cambrige

Quelle: Wikimedia Commons


3. Was Contra Dance nicht ist!
Contra Dance hat absolut nichts mit Line Dance zu tun. Contra Dance wird zwar in contra lines, also in sich gegenüberstehenden Reihen getanzt, aber anders als beim Line Dance tanzen wir in Paaren und Gruppen, und wir lernen die Choreographie auch nicht auswendig - dafür haben wir ja den prompter.

4. Locker vom Hocker
Contra Dance ist eine Tanzform, bei der Du so alle 30 Sekunden eine Person des anderen Geschlechts in den Armen hältst. Na ja, eigentlich ist das nur manchmal richtig, es kommt auf den Tanz an. Mal anders ausgedrückt: Contra Dance ist eine der wenigen Tanzformen, bei der Du am Ende des Tanztreffs bestimmt mit jedem einmal getanzt hast.

5. Analytisch ...
Contra Dance wird in einer Anordnung von zwei Tänzerreihen, die sich gegenüberstehen, getanzt. Der Partner ist normalerweise gerade gegenüber in der anderen Reihe. Zusammen mit dem Paar daneben wird eine Untergruppe - minor set - gebildet. Diese Tanzformation heißt duple minor contra dance. Wenn dabei alle Damen in der einen, die Herren in der anderen Reihe stehen, dann nennen wir das eine proper contra line. Die Anordnung, bei der Damen und Herren abwechselnd in den Reihen stehen, ist eine improper contra line.

Die minor sets tanzen den Tanz einmal durch. Dann wechseln die Paare des minor sets zu den benachbarten Paaren und bilden neue minor sets. Damit ist ein Fortschritt - progression - in der contra line erfolgt. Nun wird die Figurenfolge wiederholt, je nach Musik fünf- bis achtmal. Dabei behalten die Tänzer den Partner, mit dem sie den Tanz begonnen haben.

Es gibt viele Variationen der beschriebenen Formation und Anordnung: solche mit drei Paaren in einer Untergruppe, die triple minor sets; Tänze, bei denen nicht nur innerhalb eines minor sets getanzt wird, sondern zusätzlich mit benachbarten Paaren; der Fortschritt kann über zwei Paare erfolgen - double progression ...

Contra Dance wird zu Live-Musik getanzt, zumindest dort, wo diese Volkstanzform noch weit verbreitet ist, beispielsweise in USA und England. Bei uns in Deutschland verwenden wir die Musik von der Schallplatte, aber der prompter ist live. Die Rhythmen sind Reels oder Jigs. Die Musik besteht aus zwei Melodieteilen, A und B und die Verbindung erinnert an einen Vers und einen Refrain. Jeder Teil umfasst 16 Taktschläge (Schritte) und wird zweimal wiederholt. Damit ergibt sich eine komplette Figurenfolge zu 64 Schritten. Die Musik ist in Acht-Schlag-Teile phrasiert. Da die meisten Figuren mit acht, manche mit vier oder sechzehn Schritten getanzt werden, ergibt sich eine schöne Harmonie zwischen Musik und Bewegung.

Contra Dance - gestern und heute

Gedanken zum englischen Kontratanz von Friedrich Schiller (1759 - 1805)

Ich weiß für das Ideal des schönen Umgangs kein passenderes Bild als einen gut getanzten und aus vielen verwickelten Touren komponierten englischen Tanz. Ein Zuschauer aus der Galerie sieht unzählige Bewegungen, die sich aufs Bunteste durchkreuzen und ihre Richtungen lebhaft und mutwillig verändern und doch niemals zusammenstoßen. Alles ist so geordnet, dass der eine Platz gemacht hat, wenn der andere kommt; alles fügt sich so geschickt und doch wieder so kunstlos ineinander, dass jeder nur seinem eigenen Kopf zu folgen scheint und doch nie dem anderen in den Weg tritt. Es ist das treffendste Sinnbild der behaupteten eigenen Freiheit und der geschonten Freiheit des anderen.


Kontratanz, Kontertanz, Contredanse, Country Dance - der Contra Dance hat weit in die Vergangenheit reichende, verzweigte Wurzeln in Frankreich, den Niederlanden und England. Bis ins 15. Jahrhundert müssen wir zurückschauen, um im Nebel der Geschichte den sagenhaften Morris Dance, die französischen und englischen Kirchentänze, die niederländischen Reihentänze zu erkennen, aus denen sich Spielarten wie der English Longway, das Menuett, der Contredanse francaise, die Quadrille oder der Country Dance bildeten.

Während der sich entwickelnde Country Dance im angelsächsischen Raum sehr beliebt war, hatte er im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts als Kontertanz nur geringe Bedeutung, obwohl Komponisten wie Haydn, Mozart und Beethoven zahlreiche Kontratänze für die höfische und bürgerliche Gesellschaft schrieben. Allzu schnell geriet er bei uns in Vergessenheit.

Ganz anders verlief die Entwicklung in den Besiedlungsgebieten Nord-Amerikas. Hier bildete sich aus den importierten Fragmenten europäischer Tänze eine Form des Contra Dance, die bis heute lebendig ist. So wie die verwandten Volkstanzformen des Country- and Western Dance, des Square Dance und des Round Dance ist der Contra Dance ein Tanz nach Ansage.

Am Kopf der Tanzreihe steht der Caller (Ausrufer), beim Contra Dance auch Prompter genannt. Er ruft den Tänzern während des Tanzes die Figuren in Erinnerung. Dabei achtet er darauf, die nächste Figur so anzusagen, dass sie mit Beendigung des Kommandos prompt getanzt werden kann. So entsteht aus den einzelnen Figuren und -sequenzen ein lebhafter, fließender Tanz, der sich innig an die Musik anschmiegt.

Die Hauptformation des Contra Dance sind Tanzpaare, die sich in parallelen Reihen gegenüberstehen. Der Tanz besteht aus einer Folge von Figuren, die als Sequenz zusammengefasst im Verlauf des Tanzes mehrfach wiederholt werden. Die Tänzer bilden Gruppen von zwei oder drei Paaren, die eine Figurensequenz gemeinsam tanzen. Danach wechseln die Paare in neue Gruppen, so dass am Ende des Tanzes jeder die Chance hatte, mit jedem zu tanzen.

Der zeitgenössische Contra Dance wird in weiten Gebieten der USA, vorwiegend in den Neu-England-Staaten gepflegt. In Europa finden wir ihn vor allem in England, Dänemark, Belgien und den Niederlanden.

Für den Berliner und Brandenburger Raum wurde der Contra Dance durch die Tanzgruppe A.C.T.S. im Jahr 1999 wiederentdeckt und seitdem regelmäßig getanzt.

Um den Contra Dance zu erlernen sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Lediglich der Spaß am gemeinsamen Tanzerlebnis und die Freude an der Musik mit vorwiegend irischem und schottischem Ursprung sind ausreichend um hineinzuschnuppern und einzutauchen in eine Harmonie aus Melodie, Rhythmus und Bewegung.  

Prompter

Der Tanzleiter beim Contra Dance wird prompter genannt. In der deutschen Sprache würden wir das französische Wort Souffleur verwenden, denn genau das ist die Aufgabe des prompters: er ruft den Tänzern die Abfolge der Figuren in Erinnerung. Die Ansage der Tanzfigur kommt prompt, also pünktlich, damit die nächste Figur passend zur musikalischen Phrase getanzt werden kann.


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